SPD Althengstett/Simmozheim

Kommentar der Woche: Treibhäuser der Zukunft

Veröffentlicht am 14.04.2008 in Politik

oder

Wie in Deutschland Schulen gelingen

14. April 2008

Wie sehen konkret bessere Schulen aus, in denen Kinder länger gemeinsam und ganztägig unterrichtet werden? Was ist „integrativer Unterricht“, in dem Kinder individuell gefördert und gefordert werden?

Diese Fragen standen am Ende unserer Podiumsdiskussion „Bildungsaufbruch“ im Raum, die die Kreis-SPD am 16. Juli letzten Jahres in der Sängerhalle in Ottenbronn veranstaltete.

Im Mittelpunkt der damaligen Veranstaltung stand der Brief der 100 Hauptschulrektoren aus Oberschwaben, die ein Ende der frühen Selektion der Kinder auf verschiedene Schultypen mit verschiedenen Bildungs- und Lebenschancen gefordert haben. Es gab so gut wie keinen Widerspruch vom Podium oder den Zuhörern zu den Vorstellungen der Rektoren. Vielmehr kam man rasch zu der Frage, wie eine bessere Schule konkret organisiert werden kann. Wenn man Kinder länger zusammen gemeinsam unterrichten will und die Idee der Aufteilung in leistungshomogene Klassen aufgibt, wie es die 100 Rektoren gefordert haben, wie genau soll dann die neue Schule aussehen, wie soll besserer Unterricht ablaufen?

Dieser Frage will die Kreis-SPD nun mit unserer zweiten Veranstaltung in der Reihe „Bildungsaufbruch“ im Kreis Calw am kommenden Donnerstag, den 17. April 2008, nachgehen. Sie findet im Forum am Schießberg (Foyer Hermann Hesse Gymnasium) in Calw statt.

Hier finden Sie die Einladung zu unserer Veranstaltung. (PDF)

Der Journalist, Autor, Regisseur und Produzent von Fernseh- und Videodokumentationen, Reinhard Kahl, hat sich in deutschen Reformschulen umgesehen und eine zweistündige DVD-Dokumentation zusammengestellt, in der eindrücklich illustriert wird, wie andere Schulen, bessere Schulen gelingen können. Der Film Kahls zeigt, es gibt sie bereits, die besseren Schulen, allerdings derzeit nur als vereinzelte Pilotprojekte.

Es wird Zeit, dass Konsequenzen gezogen werden und die positiven Erfahrungen, die man mit den Reformschulen gemacht hat, flächendeckend umgesetzt werden. Die SPD in Baden-Württemberg steht mit ihrem „Bildungsaufbruch“ für eine solche Umsetzung. Die gesamte Dokumentation mit Buch und drei DVD’s, mit zusätzlichen zahlreichen Interviews mit Fachleuten, kann vom „Archiv der Zukunft“ im Internet unter der Adresse http://www.archiv-der-zukunft.de/ bezogen werden. Es lohnt sich!

In unserer Veranstaltung nächsten Donnerstag wird eine halbstündige Zusammenfassung dieser Dokumentation gezeigt. In Impulsreferaten werden dann Helmut Spert, Grund- und Hauptschulrektor in Schömberg und Dr. Rainer Prewo, MdL und Oberbürgermeister von Nagold zur konkreten und politischen Umsetzung solcher Reformideen Stellung beziehen.

Kahl’s Dokumentation macht auch überdeutlich, dass es nicht um formale Änderung der Schulstruktur alleine geht. Diese muss Konsequenz, nicht Ziel, umfassenderer Reformen sein. Wer zum Beispiel Ganztagsschule nur als verlängerte Halbtagsschule begreift und ausrechnet, dass die Betreuung der Schülerinnen und Schüler statt bisher durchschnittlich 5 Stunden täglich zukünftig 7 Stunden täglich einen zusätzlichen Lehrerbedarf von rund 35 bis 40 % erfordert, macht eine Milchmädchenrechnung auf. Ganztagsschule ist eben nicht Verlängerung der Halbtagsschule auf 7-8 Schulstunden täglich.

Die heutige Halbtagsschule ist häufig ein Ort, der von den Kindern und Jugendlichen von Herzen verabscheut und gefürchtet wird. Ganztagsschule soll dagegen der „ place for kids to grow up“ werden, mit dem diese sich identifizieren und der neben dem Elternhaus zum wichtigsten sozialen Mittelpunkt für die Heranwachsenden wird. Und das schließt dann eine ganze Menge von dem ein, was heute unter Freizeitaktivität läuft, wie Musikunterricht, Sport und auch Spiel. Hausaufgaben, ergänzender Heimunterricht durch Eltern und Nachhilfe können dann entfallen. Bei der Halbtagsschule muss vieles davon privat organisiert und bezahlt werden. Kinder und Jugendliche aus prekären Verhältnissen bleiben dann aber oft sich selbst bzw. der Strasse überlassen.

Ganztagsschule hat natürlich auch erhebliche Konsequenzen für die Lehrer. Was spricht aber dagegen, dass sie ihre gesamte Arbeitszeit an ihrem Arbeitsplatz - der Schule - verbringen? Die Reformschulen machen vor, dass dies für engagierte Lehrer keineswegs ein Nachteil ist. Im Gegenteil, wie auch in Kahl’s Film angesprochen wird, sind Lehrer und Lehrerinnen an Reformschulen in der Regel zufriedener als ihre Kolleginnen und Kollegen an traditionellen Schulen. Natürlich, ein Mehrbedarf an Lehrerinnen und Lehrern bleibt dennoch, für kleinere Klassen und zusätzlich speziell geschultes Personal fürs individuelle Fördern und Fordern zum Beispiel.

Übrigens, die Veranstaltungsreihe „Bildungsaufbruch“ soll fortgesetzt werden. Für Ende Mai ist eine Podiumsdiskussion zur Verkürzung der Gymnasialzeit (G8-Problematik) geplant, Veranstaltungen zu Schule und Migration, zur vorschulischen Bildung und zur Jugend- und Sozialarbeit in der Schule sollen folgen. Wir werden Details und Termine rechtzeitig bekannt geben.

Ganz herzlich
Dipper
Richard Dipper

 

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Saskia Esken, MdB

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